Mord im Rückfall: Buchvorstellung und Podiumsdiskussion

Warum töten Menschen? Anlässlich des Erscheinungstermins von „Mord im Rückfall“ begaben wir uns auf die Suche nach Antworten.

Zu einem mörderischen Valentinstag mit Buchvorstellung und Podiumsdiskussion lud die MWV anlässlich des Erscheinungstermins von „Mord im Rückfall“ über 100 Gäste in die Hörsaalruine der Charité ein. Expertinnen und Experten aus Forensischer Psychiatrie, Polizei und Justiz näherten sich den Fragen „Warum töten Menschen? Welche Lebensgeschichten, welche Motive stehen dahinter?“. Durch den Abend führten Tagesspiegel-Redakteurin Katja Füchsel sowie der Forensische Psychiater und „Mord im Rückfall“-Autor Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber. Der Abend war ein großer Erfolg, die kontroverse Thematik lockte viele Interessierte an.

In seinem Grußwort führte Verleger Dr. Thomas Hopfe in Werk und Autor ein: „Hans-Ludwig Kröber ist kein kalter Analytiker. Im Gegenteil: Er zeigt stets Empathie, vielleicht sogar manchmal Sympathie für seine Figuren.“ Eine Beobachtung,  von der sich das Publikum in der darauffolgenden Autorenlesung vergewissern konnte.

Prof. Dr. Kröber begann mit den Worten: „Wer anfängt, über das Töten als eine Lösung nachzudenken, hat ein Problem.“ In zwei vorgetragenen Fallgeschichten verdeutlichte er anschließend, dass sich das „Warum“ der Taten nicht auf einen Faktor herunterbrechen lässt. Vielmehr handle es sich um ein Zusammenspiel aus „Selbstkonzept, Motivation, Situation und Zufall“.

Auch der Forensische Psychiater Dr. med. habil. Matthias Lammel warnte in der anschließenden Podiumsdiskussion vor typisierenden und ästhetisierenden Darstellungen von Mördern wie sie in den geläufigen Vorortkrimis gern präsentiert werden.

Die komplexen Faktoren, die einen Menschen zum Mörder werden lassen, fordern einen multiperspektivischen Umgang mit diesem. Der Notwendigkeit von multiprofessionellen Teams stimmten alle Teilnehmenden aus Forensischer Psychiatrie, Polizei und Justiz zu. Kriminalhauptkommissar Christian Schulz betonte nochmals wie realitätsfern das Bild des einzelgängerischen Profilers sei. In der Operativen Fallanalyse komme es vielmehr auf assoziatives Arbeiten im Team an.

Spannung flammte auch beim Einblick in die polizeiliche Praxis auf: Kriminalhauptkommissar Ingo Kexel verriet Strategien, die einen Verdacht verfestigen und den Verdächtigen geständig machen sollen. Beispielsweise wird im Gespräch mit dem Verdächtigen beiläufig ein Bild des Opfers auf dem Tisch platziert. Schiebt der Verdächtige das Bild von sich, steigert dies den Verdacht aufseiten der Ermittelnden. Dabei geht es nicht nur darum, den Fall aufzuklären, sondern dabei das Motiv herauszuarbeiten.

Für den Laien möglicherweise erstaunlich war die Zuwendung und Empathie, von der die Expertinnen und Experten in ihrer Arbeit mit den Mördern berichteten. Dr. med. Tatjana Voß, Leiterin der Forensisch-Therapeutischen Ambulanz der Charité, betonte wie wichtig der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zu den Mördern sei: „Oftmals sind wir die einzigen, die zum Geburtstag anrufen.“ Kexel warnte davor, den Mörder auf seine Tat zu reduzieren, sondern stattdessen „den Menschen zu sehen, mit dem Menschen in ein Gespräch zu kommen“.

Dennoch darf nicht vergessen werden, dass die Diskutierenden in ihrer alltäglichen Arbeit mit enormer Brutalität und Elend konfrontiert sind. Oberstaatsanwalt Michael von Hagen bemerkte: „ Es ist nicht so, dass man mit dem Abschließen der Bürotür die Bilder aus dem Kopf bekommt.“

Auch die zahlreich erschienenen Gäste beteiligten sich aktiv an der Diskussion und setzten mit Fragen wie „Warum ist lebenslänglich nicht lebenslang?“ oder „Hat die Todesstrafe abschreckenden Charakter?“ Impulse. Die Frage „Warum morden eigentlich (fast) nur Männer?“ löste noch einmal eine große Diskussionsrunde aus. Klar wurde, dass „Aggression, Gewalt und Töten in allen Kulturen Männerphänomene sind.“ Dr. med. Tatjana Voß stellte heraus: „Frauen morden auch – das ist klar. Aber Frauen lernen besser aus Strafe“. Tatsächlich ist der Abend auf ein besonders interessiertes Publikum getroffen, das gar nicht mehr aufhören wollte, zu diskutieren.

Trotz der Schwere der Thematik gab es gelegentlich auch Anlass zum Schmunzeln. So antwortete Kröber auf die Publikumsfrage, ob in einem Matriarchat weniger Männergewalt feststellbar sei mit „Meinen Sie Italien?“.

Beim abschließenden Get-together konnten Podium und Auditorium, darunter eine Reihe von prominenten Gästen, angeregt über die Themen des Abends weiter diskutieren. Zudem haben viele Gäste die Chance genutzt und ein handsigniertes Exemplar des Autors erworben.

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