Florian Steger | Maximilian Schochow

Traumatisierung durch politisierte Medizin

Geschlossene Venerologische Stationen in der DDR

1. Auflage
Paperback, 165 mm x 240 mm
255 Seiten
26 S/W Abbildungen,
ISBN: 978-3-95466-240-1
erschienen: November 2015

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Tausende Frauen und Mädchen betroffen von einer politisierten Medizin der DDR

In der DDR kam es zu Zwangseinweisungen von Mädchen und Frauen ab dem zwölften Lebensjahr in geschlossene Venerologische Stationen. Die medizinischen Behandlungen und der Aufenthalt in den Stationen führten zu schweren Traumatisierungen der Zwangseingewiesenen. Allein der Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit oder eine Denunziation reichten aus, um von der Polizei oder der Heimleitung auf eine solche Station gebracht zu werden. Auf den Stationen wurde durch eine politisierte Medizin ohne Aufklärung und Einwilligung der Zwangseingewiesenen in die körperliche Integrität der Mädchen und Frauen eingegriffen. Obwohl 70 Prozent nachweislich keine Geschlechtskrankheit hatten, mussten alle Mädchen und Frauen täglich eine gynäkologische Untersuchung über sich ergehen lassen. In einigen Stationen mussten die Zwangseingewiesenen Arbeiten verrichten. In anderen Stationen wurden die Mädchen und Frauen asyliert und von der Außenwelt isoliert. In einem hierarchisch organisierten Terrorsystem wurden die Zwangseingewiesenen körperlich wie psychisch gedemütigt und traumatisiert. Diese Traumatisierungen wurden transgenerational weitergegeben. Am Beispiel von Berlin, Berlin-Buch, Dresden, Halle (Saale) und Leipzig werden die Entstehung der Stationen in der Sowjetischen Besatzungszone, der Alltag auf den geschlossenen Venerologischen Stationen sowie die traumatischen Folgen der Zwangseinweisungen beschrieben. Für diese Rekonstruktion führten die Autoren neben umfangreichen Archivrecherchen Interviews mit ehemaligen Zwangseingewiesenen sowie mit Ärzten, Krankenschwestern und Mitarbeitern der geschlossenen Venerologischen Stationen durch.
  • Zwangseinweisungen von Tausenden Frauen und Mädchen
  • Körperliche wie psychische Traumatisierung und transgenerationale Weitergabe
  • Ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung von SED-Unrecht

Pressestimmen

  • „Stegers Aufklärung hat bereits einiges bewirkt: Den Insassinnen der „Tripperburg“ in Halle wurde im Herbst 2015 eine Gedenktafel gewidmet. Der Bundestag befasste sich im Sommer 2016 mit den venerologischen Stationen. Und die Frauen haben es nun einfacher vor Gericht, ihr Leid zu belegen.“ , Die Welt
  • „Das Buch schlägt ein unbekanntes Kapitel der DDR-Medizin auf.“ , Deutsches Ärzteblatt
  • „Besonders eindrücklich sind die ebenfalls in das Buch eingeflossenen Wortlaut-Interviews mit ehemaligen Zwangseingewiesenen und Informationen zu ihren Biografien, die ein schonungsloses und bedrückendes Bild über diesen Teil der DDR-Geschichte zeichnen.“ , medialog Wissenschaft

Die Autoren / Herausgeber

Psychiater, forensische Psychiater, Medizinhistoriker, Medizinethiker, Interessierte an Medizingeschichte und DDR-Geschichte

Medizingeschichte der DDR; Geschichte der Medizin der DDR; Traumatisierung; politisierte Medizin; Frauen; Traumatisierung von Frauen durch politisierte Medizin; geschlossene Venerologische Stationen in der DDR; Venerologische Stationen; Transgenerationale Weitergabe von Traumatisierung; geschlossene Stationen

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