Walter A. Wohlgemuth | Michael H. Freitag

Priorisierung in der Medizin

Interdisziplinäre Forschungsansätze

1. Auflage
Paperback, 170 mm x 240 mm
342 Seiten
14 S/W Abbildungen,
ISBN: 978-3-939069-85-0
erschienen: 03. April 2009

14,95€ [D]
inkl. 7% MwSt.

Die Rationierung von medizinischen Leistungen ist bereits Realität

Rationalisierung und Effizienzsteigerung werden in Zukunft nicht ausreichen, um die medizinische Versorgung trotz der demographischen Entwicklung und medizinischen Innovationen bei zugleich begrenzten Ressourcen zu gewährleisten. Es ist absehbar, dass nicht mehr alle Leistungen für alle gesetzlich Krankenversicherten finanziert werden können. Wie gehen wir jedoch mit diesem Dilemma um? Eine Rationierung von medizinisch als notwendig erachteten Leistungen fand in Deutschland bislang nicht ausdrücklich statt, wenngleich eine implizite Rationierung, z.B. durch die Budgetierung von Medikamenten, bereits Realität ist. Bevor jedoch Verteilungsentscheidungen getroffen werden können, erscheint es zunächst sinnvoll, Prioritäten im Gesundheitswesen zu setzen. Priorisierung beschäftigt sich mit der Frage, aufgrund welcher Verfahren und Kriterien in einer Solidargemeinschaft bei Knappheit einer medizinischen Ressource die Verteilung dieser Güter erfolgen soll. Die Untersuchung komplexer Fragestellungen, wie sie im Kontext dieser Priorisierungsdebatte entstehen, bedarf eines multidisziplinären Zugangs. Die Mitglieder der DFG-Forschergruppe FOR 655 stammen aus verschiedenen Disziplinen wie Medizin, Ethik, Psychologie, Philosophie, Ökonomie, Rechtswissenschaften und Soziologie und sind über 15 deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen verteilt. Ziel des Projekts ist es, die anfallenden Fragen der Priorisierung in der Medizin systematisch durch disziplinübergreifende, theoretische und empirische Untersuchungen zu beantworten und so Grundlagen für eine mögliche explizite Priorisierung zu schaffen. Neben einem ärztlichen Expertenrat, der unerlässlich ist, um Leistungen rational zu priorisieren, müssen auch gesellschaftliche Werturteile in der Entscheidung über medizinische Leistungen unter der Bedingung der Ressourcenknappheit berücksichtigt werden. Dadurch könnte es möglich werden, eine rationale, transparente und somit auch gesellschaftlich belastbare, demokratisch akzeptierte Priorisierungsordnung zu schaffen, die die Grundlage für eine fundierte „Politik der Priorisierung“ im öffentlichen Gesundheitswesen bilden könnte. Dieses Buch dokumentiert die wissenschaftliche Arbeit der Forschergruppe und stärkt die gesellschaftliche Diskussion zum Thema der Priorisierung in der Medizin. Die Beiträge umfassen zum einen theoretische Betrachtungen der Priorisierungsdebatte aus ökonomischer, juristischer, philosophischer und ethischer Perspektive. Zum anderen wird auch die empirische Perspektive der Forschergruppe erläutert. In diesem Zusammenhang wird das Forschungsdesign der empirischen Projekte vorgestellt, die im Kontext horizontaler und vertikaler Priorisierung verschiedene Stakeholdergruppen wie Ärzte, Pflegekräfte, Patienten, Angehörige, unbeteiligte Laien, Politiker oder auch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) hinsichtlich präferierter Priorisierungskriterien untersuchen.

Aus dem Inhalt

Die DFG-Forschergruppe FOR 655:„Priorisierung in der Medizin“; Kriterien und Präferenzen in der Priorisierung medizinischer Leistungen; Prioritätsänderungen in der Allokation postmortaler Spender-Lebern; Kriterien und Betroffenenpräferenzen bei der Organallokation: Identifikation relevanter Stakeholder und Konzeption eines Interviewleitfadens; Das schwedische Modell der Priorisierung medizinischer Leistungen; Evidenzbasierte Medizin und gesundheitsbezogene Lebens¬qualität als potentielle Priorisierungskriterien medizinischer Leistungen; Der „Nikolaus-Beschluss“ des BVerfG – Auswirkungen für das Öffentliche Recht, das Zivilrecht und das Strafrecht; Das Verfahren und die Kriterien zur Festlegung des Leistungsumfangs in der japanischen Krankenversicherung; Marginale Wirksamkeit als Rationierungskriterium; Modellierung von Priorisierungsregeln am Spezialfall der Triage

Pressestimmen

  • „[...] zeigt die Breite der - noch nicht abgeschlossenen - Studien auf und gibt zudem einen Einblick in Regelungsstrategien anderer Länder. Dabei sticht Schweden heraus [...].“ , aerztezeitung.de, 24.02.2010 , Florian Staeck,
  • „[...] bietet der Sammelband einen neuen Ansatz für eine transparente gesellschaftliche Diskussion über Priorisierung im öffentlichen Gesundheitswesen.“ , Gesundheit und Gesellschaft, 7-8/2010
  • „[...] kann das Buch einen guten Einstieg in die wissenschaftlich fundierte Diskussion bieten.“ , Rheinisches Ärzteblatt 8/2010
  • „Wer aktuelle Daten und Fakten zu den Gesundheitssystemen in anderen Ländern sucht, ist mit diesem Nachschlagewerk gut bedient.“ , Blickpunkt öffentliche Gesundheit 4/2010

Die Autoren / Herausgeber

Mit Beiträgen von: Alena Buyx, Marlies Ahlert, Kathrin Alber, Birgitta Bayerl, Gerhard Dannecker, Adele Diederich, Michael H. Freitag, Daniel Friedrich, Wolfgang Granigg, Gertrud Greif-Higer, Simone Heil, Stefan Huster, Christian Katzenmeier, Hartmut Kliemt, Petra Lietz, Thorsten Meyer, Eckhard Nagel, Masahiko Ohta, Gerd Otto, Andreas Penner, Reiner Raspe, Felix Schmitz-Justen, Björn Schmitz-Luhn, Bettina Schöne-SeifertHerausgeber der Schriftenreihe: Eckhard Nagel, Jörg Schlüchtermann und Volker Ulrich

Wissenschaftler und Praktiker in der Gesundheitsversorgung, in Krankenkassen, in der Gesundheits- und Wirtschaftspolitik, im öffentlichen Gesundheitswesen, in Dienstleistungs- und Industrieunternehmen der Gesundheitsbranche; Gesundheitsökonomen, Medizinmanager, Betriebs- und Volkswirte, Gesundheitswissenschaftler; Ärzte in der Wissenschaft, Klinik und Praxis; Studenten der Medizin und Gesundheitswissenschaften; Patienten, Betroffene und Angehörige

Priorisierung in der Medizin; DFG-Forschergruppe FOR 655; medizinische Innovationen Rationalisierung; medizinische Versorgung, gesetzliche Krankenversicherung; Solidargemeinschaft; medizinische Ressourcen; Ethik in der Medizin; Psychologie, Philosophie, Ökonomie, Rechtswissenschaften; Soziologie; Stakeholder in der Medizin; Organtransplantation; Evidenzbasierte Medizin; „Nikolaus-Beschluss“ des BVerfG; Gesundheitsreform; Gesundheitssystem; Gesundheitsökonomie; Gesundheitsversorgung; Finanzierung; Health Technology Assessment, HTA, Bewertung medizinischer Methoden, EBM, evidenzbasierte Entscheidungsfindung, medizinische Verfahren, Technologien, Nutzenbewertung, Wirksamkeitsnachweis, HTA-Berichte, Leistungskatalog, medizinische Regelversorgung

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