Frank Häßler | Günther Häßler

Eine greuliche That

Zehn Kapitel über Kindstötungen in Mecklenburg-Vorpommern aus vier Jahrhunderten

1. Auflage
Paperback, 165 mm x 240 mm
161 Seiten
8 S/W Abbildungen, 6 farbige Abbildungen, 19 Tabellen
ISBN: 978-3-941468-00-9
erschienen: 22. April 2009

49,95€ [D]
inkl. 7% MwSt.

Eine greuliche That - Kindstötung aus vier Jahrhunderten

Die 22-jährige „Weibsperson“ Eva Tied aus Strietfeld hatte um die Jahreswende 1662/63 heimlich ein „in Unzucht gezeugtes“ Kind zur Welt gebracht, es in der Ohnmacht der Geburt mit den Kleidern erstickt und ihm danach den Kopf mit einem Messer abgeschnitten. Der Patrimonialgerichtsherr Hans Albrecht Moltke bittet Anfang Januar 1663 die Juristen der Rostocker Universität um Rat, wie diese „greuliche That“ zu bestrafen sei. Ihr nach eingehender Beratung ergangener Spruch, bei der auch die Standhaftigkeit der Angeklagten in der Folter eine Rolle spielte, bewahrte die Frau vor der Todesstrafe. Sie sollte mit Genehmigung der Obrigkeit auf ewig des Landes verwiesen werden.In den Persönlichkeiten der fast ausschließlich weiblichen Angeklagten findet sich bis heute folgendes Verhaltensmuster: Scham, Verwirrung und Ausweglosigkeit setzen mit dem Verschweigen der Schwangerschaft jene Gewaltspirale in Gang, an deren Ende die vorsätzliche oder fahrlässige Tötung des Neugeborenen steht.Mit der Studie „Eine greuliche That“ legen die Autoren erstmalig eine für die Region Mecklenburg-Vorpommern umfassende Übersicht zu Kindstötungen vom Ende des 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts vor. Die Grundlage des Buches sind Informationen aus den im Archiv der Universität Rostock lagernden Spruchakten der Juristischen Fakultät. Neben den zahlreichen Tabellen stehen dabei die Persönlichkeiten und Schicksale der Täterinnen im Mittelpunkt der Darstellung. Die Arbeit wendet sich vor allem an Interessenten der Medizin- und Rechtsgeschichte sowie der forensischen Psychiatrie, bietet aber auch einer breiteren Leserschicht den Zugang zu spektakulären Quellen der Kulturgeschichte.
  • umfassende Übersicht zu Kindstötungen vom Ende des 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
  • Persönlichkeiten und Schicksale der Täterinnen stehen im Mittelpunkt
  • über 360 Fälle aufbereitet und ausgewertet

Aus dem Inhalt

Aus dem Inhalt:

Die Universität Rostock und ihre Juristische Fakultät im Laufe der Jahrhunderte

Die Spruchtätigkeit der Juristenfakultät

Der Aktenbestand im Universitätsarchiv Rostock

Die Kindstötung in der Spruchtätigkeit der Rostocker Juristen

Spruchtätigkeit zu Kindstötungen in Mecklenburg und Vorpommern

Die Häufigkeit der Fälle von Kindstötung

Der historische Hintergrund

Die Anklage und die Angeklagten

Psychische Auffälligkeiten

Geburt und Tod (u.a. Die Kindsväter und die Zeugung; Der sittenlose Lebenswandel; Die Tätigkeit der Kindsväter; Vergewaltigung, Verführung und Eheversprechen, Inzest und Schwängerung durch Verwandte, Verschweigen der Schwangerschaft, Die schnelle Geburt, Die Geburtsstätten, Die Tötung)

Fundorte und Begutachtung (u.a. Fundorte und Begutachtung; Die Fundorte der Kindsleichen; Die Besichtigung der Leichen)

Die Folter (u.a. Die Tortur im Gerichtsverfahren, Die Zulässigkeit der Folter, Anwendung der Folter)

Die Strafen (u.a. Das vorgesehene Strafmaß; Die Anwendung der Strafen; Straffreiheit und Strafminderung; Wasser- und Schwertstrafen; Leibesstrafen und Verweisung)

Die Autoren / Herausgeber

(Forensisch tätige) Psychiater; Psychologen; Kinder- und Jugendpsychiater; Juristen (Rechtsanwälte, Staatsanwälte, Richter); Pädagogen und Sozialarbeiter; Bewährungshilfe; Kriminologen

Psychiatrie; Forensische Psychiatrie; Psychiatrie: Begutachtung; forensische Psychologie; Rechtspsychologie; Rechtsmedizin; Recht/Strafrecht; Strafprozessrecht; Kriminologie; Kriminalistik; Kindstod; Kindstötung; Infantizid

Themen