Überlastung im Notfallzentrum
Overcrowding gefährdet Notfallzentren. Erfahren Sie im Interview mit Daniel Walker, warum Leitende und Kaderärzte jetzt handeln müssen, um nicht vom System überrollt zu werden – und wie echte Veränderung im Arbeitsalltag gelingt.
Herr Walker, im Buch heißt es: "Es ist keine Schande, Probleme zu haben. Es ist eine Schande, nichts dagegen zu unternehmen." Welche typischen Probleme in Notfallzentren werden Ihrer Erfahrung nach am häufigsten verdrängt statt aktiv angegangen – und woran liegt das?
Die Überlastung von Notfallzentren ist ein echtes Problem. Die Konsequenzen für die Patientensicherheit sind gravierend. Nun würde man erwarten, dass die Verantwortlichen die Prozesse anpassen, Schichtmodelle verändern, digitale Hilfen nutzen, bauliche Anpassungen durchführen usw. Einige tun das mit großem Engagement, ob schon sie im Alltag stark belastet sind. Andere tun sich schwer, die Probleme anzugehen. Menschen sind nicht so gut darin, graduelle Veränderungen wahrzunehmen und ein Problembewusstsein zu entwickeln. Oft weiß man nicht, was man verändern muss oder darf, damit es besser wird. Verantwortung zu übernehmen ist keine einfache Aufgabe und ist auch nicht überall erwünscht.
Ihr Buch verbindet Strategie, Prozesse, Organisation und Innovation mit realen Beispielen aus dem Notfallzentrum. Können Sie an einem konkreten Fall aus dem Buch zeigen, wie eine Führungskraft dort eine Prozessoptimierung Schritt für Schritt umgesetzt hat?
Zeit ist die wertvollste Ressource eines Notfallzentrums. Am einfachsten ist es dort, wo Zeit für Patient:innen von hoher Relevanz ist. Bei einem Schlaganfall gilt „Time is Brain“. Wenn wir zu langsam sind, wird das Gehirn stärker geschädigt. Das ist ein simpler Zusammenhang. Die Zeiten Schritt für Schritt zu verbessern, ist gar nicht so schwierig. Man muss die Zeiten messen, sich vergleichen und die Barrieren im Prozess eliminieren. Das Stroke Center des Notfallzentrums des Universitätsspitals Basel hat heute die besten Prozesszeiten. Das ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit.
Das Buch richtet sich an Kaderärzt:innen und leitende Pflegekräfte, die im Notfallzentrum Führungsverantwortung tragen. Warum ist "Mission Notfall" gerade für diese Zielgruppe jetzt wichtig, und welchen konkreten Mehrwert nehmen Leserinnen und Leser für ihren Führungsalltag mit?
Mit Sorge beobachten wir, wie Notfallzentren mit der Zunahme komplexer Patientensituationen ans Limit kommen. Es kommt zu einer Häufung von Overcrowding. Das bisherige Arbeitssystem ist zu wenig resilient und irgendwann gelangt man an den Punkt, wo die Mission des Notfallzentrums nicht mehr durchgehend sichergestellt ist. Mit der Zunahme der hochaltrigen Patient:innen wird es nicht einfacher. Die Führungsverantwortlichen müssen jetzt handeln, um nicht in wenigen Jahren von den Problemen überrollt zu werden. Die Aufgabe ist sehr herausfordernd und das Buch will hier Hilfestellung leisten. Oft braucht es allerdings externe Unterstützung, weil es wirklich nicht einfach ist, die Situation zu stabilisieren.