Arbeitsschutz als Präventionsstrategie
Prävention ist mehr als Kniebeuge am Schreibtisch: Die Mediziner:innen Katharina Larisch und ihr Ko-Herausgeber Auhuber erklären auf dem Hauptstadtkongress 2026, warum Arbeitsschutz zur zentralen Ressource für Gesundheit, Resilienz und Krisenfestigkeit von Unternehmen werden muss.
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Auf dem Hauptstadtkongress 2026 haben Prof. Dr. Katharina Larisch, Fachärztin für Arbeitsmedizin, und Prof. Dr. Thomas Auhuber, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Gesundheitsökonom, für ein erweitertes Verständnis von Prävention geworben. Beide sind bei BG Prevent tätig und Herausgeber des gemeinsamen Buches „Prävention. Besser gemacht.“.
Larisch betonte, der Arbeitsplatz erreiche gezielt Menschen, die sonst kaum ärztliche Vorsorge in Anspruch nähmen – etwa Beschäftigte in manuellen Berufen, die im Rahmen der Pflichtvorsorge in die Arbeitsmedizin kommen. So ließen sich Frühzeichen von Erkrankungen sowie Risikoverhalten wie Rauchen oder ungesunde Ernährung frühzeitig ansprechen.
Auhuber verwies auf die wirtschaftliche Dimension: Der Return on Investment von Präventionsmaßnahmen sei bislang schwer zu beziffern, weil Folgekosten häufig zwischen Sozialversicherungszweigen verschoben würden. Erste Studien – etwa zum ökonomischen Nutzen betrieblicher Grippeimpfungen – zeigten aber messbare positive Effekte für Unternehmen, darunter weniger Krankheitsausfälle und höhere Motivation.
Angesichts aktueller Krisen wie Desinformation, Klimawandel und geopolitischer Verschiebungen plädierten beide für einen weiter gefassten Präventionsbegriff im Sinne gesellschaftlicher Resilienz. Der Arbeitsplatz fungiere dabei als vertrauenswürdiger Multiplikator, etwa bei der Aufklärung gegen Falschinformationen.
Beim Einsatz Künstlicher Intelligenz in der betrieblichen Prävention sahen beide Chancen und Risiken: KI könne repetitive Aufgaben übernehmen, berge aber die Gefahr des Verlusts menschlicher Fachkompetenz durchzu starke Abhängigkeit von der Technologie. Als zentrale Botschaft nannten Larisch und Auhuber den Ansatz „Health in all Policies": Gesunde Entscheidungen müssten in Unternehmen strukturell zur einfachsten Option werden.
Das Interview führte Dr. Sarah Nienas für die Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (MWV) auf dem Hauptstadtkongress 2026.