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Nachschlagewerk für die Hausarztpraxis

Das Buch "Psychiatrie und Psychotherapie für die Hausarztpraxis" bietet konkrete Empfehlungen zur Pharmakotherapie sowie zu ersten psychotherapeutischen Interventionen, die in der hausärztlichen Praxis unmittelbar umsetzbar sind.

Herr Professor Zwanzger, psychische Erkrankungen gehören laut Studien zu den häufigsten Diagnosen in der Hausarztpraxis und stellen viele Allgemeinmediziner:innen vor große Herausforderungen. Welche Lücke im Versorgungsalltag wollten Sie mit Ihrem Handbuch speziell für Hausärzt:innen schließen?

Prof. Zwanzger: In der hausärztlichen Versorgung sindpsychische Erkrankungen alltäglich – von depressiven Episoden über Angststörungen bis hin zu somatoformen Beschwerden oder Suchterkrankungen. Gleichzeitig fehlt im Praxisalltag oft die Zeit für lange diagnostische Prozesse,und spezialisierte psychiatrische oder psychotherapeutische Angebote sind nicht immer unmittelbar verfügbar. Mit unserem Handbuch wollten wir eine Brücke schlagen: zwischen wissenschaftlich fundierter Psychiatrie und Psychotherapie einerseits und den realen Bedingungen der hausärztlichen Praxis andererseits. Ziel war es, ein kompaktes, praxisnahes Nachschlagewerk zu schaffen, das Sicherheit in Diagnostik und Therapie gibt und konkrete Handlungsschritte für typische Versorgungssituationen anbietet.


Herr Dr. Rentrop, Ihr Buch kombiniert psychiatrische und psychotherapeutische Inhalte mit praxisnahen Entscheidungshilfen, Screening-Instrumenten und Tools. Wie wichtig ist die Kombination aus diagnostischer Präzision und pragmatischenInterventionsempfehlungen für die hausärztliche Versorgung?

Dr. Rentrop: Diese Kombination ist aus meiner Sicht entscheidend. Hausärzt:innen müssen einerseits diagnostisch sauber arbeiten, um beispielsweise eine behandlungsbedürftige Depression von einer Belastungsreaktion oder einer somatischen Ursache abzugrenzen. Andererseits benötigen sie unmittelbar umsetzbare Interventionen, die in ein 10- oder 15-Minuten-Zeitfenster passen. Diagnostische Präzision ohne pragmatische Handlungsempfehlungen bleibt im Alltag oft theoretisch. Umgekehrt können Interventionen ohne klare diagnostische Einordnung zu Fehl- oder Überbehandlungen führen. Unser Ansatz war daher, beides konsequent zu verbinden: klare diagnostische Leitlinien mit konkreten, realistisch umsetzbaren Therapieoptionen – inklusive Gesprächsstrategien, medikamentöser Empfehlungen und Hinweisen zur Indikation für Überweisungen.


Welche Rolle spielen valide Fragebögen und digitale Hilfsmittel im diagnostischen Alltag und wie kann Ihr Buch dazu beitragen, diese effizient zu nutzen?

Prof. Zwanzger: Validierte Screening-Instrumente sind ein enormer Gewinn für die hausärztliche Praxis. Sie strukturieren die Diagnostik, erhöhen die Objektivität und helfen, Verläufe zu dokumentieren. Gerade bei Depressionen, Angststörungen oder somatoformen Beschwerden liefern standardisierte Fragebögen wertvolle Zusatzinformationen. Digitale Tools können diesen Prozess weiter erleichtern – etwa durch elektronische Auswertung, Verlaufsdarstellungen oder die Integration in Praxisverwaltungssysteme. Unser Buch stellt die wichtigsten Instrumente kompakt vor, erläutert ihre Indikation, Interpretation und Grenzen und zeigt, wie sie zeitsparend in den Praxisablauf integriert werden können. So entsteht kein zusätzlicher bürokratischer Aufwand, sondernein echter Mehrwert für Diagnostik und Verlaufskontrolle.


Psychische Erkrankungen gelten nicht nur als medizinische, sondern auch als soziale Herausforderung. Wie muss die Zusammenarbeit von Fachärzt:innen, Psychotherapeut:innen und psychosozialen Diensten strukturiert sein?

Dr. Rentrop: Psychische Erkrankungen betreffen meist mehrere Lebensbereiche – Arbeit, Familie, soziale Teilhabe. Deshalb braucht es ein vernetztes Versorgungskonzept. Hausärzt:innen spielen dabei eine zentrale Lotsenrolle. Wichtig sind klare Kommunikationswege, definierte Zuständigkeiten und möglichst kurze Rückmeldeschleifen zwischen den beteiligten Berufsgruppen. Idealerweise bestehen regionale Netzwerke mit festen Ansprechpartner:innen in Psychiatrie, Psychotherapie und psychosozialen Diensten. Strukturierte Überweisungsprozesse, gemeinsame Behandlungsziele und – wo möglich – interdisziplinäre Fallbesprechungen erhöhen die Behandlungsqualität erheblich. Unser Handbuch gibt hierzu konkrete Hinweise, etwa zur Indikationsstellung für Überweisungen, zur Krisenintervention und zur Koordination komplexer Fälle.


Welchen Beitrag kann dieses Lehr- und Handbuch zur Weiterbildung und zur Qualitätssteigerung in der hausärztlichen Versorgung leisten?

Prof. Zwanzger: Das Buch richtet sich sowohl an erfahrene Hausärzt:innen als auch an Ärzt:innen in Weiterbildung. Es bietet eine strukturierte Übersicht über die häufigsten psychischen Erkrankungen im hausärztlichen Setting und verbindet Grundlagenwissen mit praktischen Entscheidungshilfen. Für die Weiterbildung kann es als systematischer Leitfaden dienen, der diagnostische Sicherheit und therapeutische Kompetenz stärkt. Für die Qualitätssicherung unterstützt es durch standardisierte Vorgehensweisen, evidenzbasierte Empfehlungen und klare Algorithmen. Dadurch trägt es zu einer einheitlicheren, nachvollziehbaren und leitliniengerechten Versorgung bei. Es war uns zudem ein besonderes Anliegen, die einzelnen Kapitel für unsere Leser durch Praxisbeispiele greifbar zumachen. Daher ist jedem Störungsbild eine relevante Falldarstellung beigefügt. 


Warum darf Ihr Buch in keiner Hausarzt-Bibliothek fehlen?

Dr. Rentrop: Weil psychische Erkrankungen längst zum Kernbereich der hausärztlichen Medizin gehören. Wer heute allgemeinmedizinisch tätig ist, kommt an Fragen der psychischen Gesundheit nicht vorbei. Unser Handbuch bietet dafür ein kompaktes, praxisnahes und wissenschaftlich fundiertes Werkzeug – direkt einsetzbar im Sprechzimmer. Es schafft Sicherheit im Umgang mit häufigen, aber oft komplexen Störungsbildern und unterstützt Hausärzt:innen in ihrer zentralen Rolle als erste Ansprechpartner:innen für Menschen mit psychischen Belastungen und Erkrankungen.


Prof. Dr. med. Peter Zwanzger hat Medizin in München studiert und beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Angst, deren Entstehung und Behandlung. Er war an den Universitätskliniken für Psychiatrie und Psychotherapie in München und Münster sowie während eines Forschungsaufenthaltes am Institute of Mental Health Research in Ottawa/Canada tätig. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den neurobiologischen Entstehungsbedingungen von Angsterkrankungen sowie der Entwicklung neuer Behandlungsverfahren. 

PD Dr. med. Michael Rentrop erlangte 2004 seine Facharztanerkennung und arbeitet als Oberarzt. Seit 2019 ist er als Chefarzt des Fachbereichs Zentrum für Psychose Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen am kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg/Inn tätig. Seine Habilitation schrieb er 2022 zum Thema der Borderline Persönlichkeitsstörung.



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