Gemeinsam Wissen gestalten und teilen
Wissen gestalten und teilen
Matthias Bescherer
Wissen teilen und voneinander lernen ist nicht nur ein theoretisches Konzept, sondern gelebte Praxis. Wissen ist weit mehr als Information. Es ist verlässliche Orientierung, fördert den kollegialen Austausch und stellt nicht zuletzt die Grundlage für die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Wissen entsteht im Miteinander, entwickelt sich weiter, wird strukturiert vermittelt und bleibt nur dann lebendig, wenn es geteilt wird. Genau dieses Verständnis prägt die Wissenswelt der Sana Kliniken AG, mit vielfältigen Angeboten und Initiativen, verankert im Alltag, getragen von Fachlichkeit und von Menschen.
Gemeinsam Standards für Qualität und Sicherheit setzen
Ein besonders wichtiges Beispiel für diestrukturierte Verankerung von Wissen im Konzern ist die Organisation der medizinischen und pflegerischen Fachgruppen, ergänzt von weiteren themenspezifischen Arbeits- und Fokusgruppen. In etwa zwei Dutzend medizinischen und über zehn pflegerischen Gremien arbeiten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Professionen kontinuierlich daran, fachliche Standards weiterzuentwickeln, neue Erkenntnisse zu bewerten und die Qualität der Versorgung aktiv mitzugestalten. Ergänzt werden die regelmäßigen Treffen durch Expertennetzwerke, die spezifisches Know-how bündeln und in den Konzern hineintragen. Die Zusammensetzung richtet sich dabei stets nach dem jeweiligenThema: Je nach Fragestellung erfolgt die Bearbeitung berufsgruppenspezifisch, bei komplexeren Herausforderungen wird gezielt interdisziplinär und interprofessionell zusammengearbeitet.
Ein zentrales Ziel dieser Gremien ist es, die breite klinische und pflegerische Expertise im Konzern in verlässliche Standards zu überführen – praxisnah, wirtschaftlich tragfähig und im Einklang mit aktuellen Leitlinien und wissenschaftlicher Evidenz. So tragen beispielsweise abgestimmte Produktentscheidungen zur Vereinheitlichung von Artikeln und Verfahren bei. Hierbei zeigen sich spürbare Effekte sowohl für Qualität als auch für Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Einheitliche Artikelstandards bedeuten in diesem Zusammenhang nicht nur vereinfachte Schulungen und Prozesse, sondern auch optimierte Einkaufskonditionen durch gebündelte Nachfrage. Der Wissenstransfer innerhalb dieser Gruppen wirkt somit weit über den fachlichen Austausch hinaus. Er stärkt die Versorgungsqualität, erhöht die Patientensicherheit, vermeidet Mehrfachtestungen und -entscheidungen und schafft eine wirtschaftlich nachhaltige Grundlage für einheitliches undgemeinsames Handeln im Konzern.
Regelmäßig stattfindende Kongresse und interne Tagungen fördern diesen konzernweiten Dialog. Unter anderem das Strategieforum, der Pflegemanagementkongress oder auch weitere Treffen, wie die Tagung der Qualitätsmanagementbeauftragten, bringen Fach- und Führungskräfte aus den verschiedenen Einrichtungen zusammen, um aktuelle Themen zu diskutieren und zukunftsorientierte Perspektiven zu entwickeln. Ergänzt werden diese Instrumente durch gezielte innerbetriebliche Fortbildungen, in denen Theorie mit Praxis verknüpft wird, z.B. bei der Ausbildung interner Auditoren, in Peer-Seminaren, Schulungen für Fallanalytiker oder im Bereich Antibiotic Stewardship. Viele dieser Formate werden zentral organisiert und ermöglichen einen direkten Transfer in den klinischen Alltag. Sie bieten nicht nur Wissenstransfer, sondern auch die Gelegenheit, sich persönlich zu vernetzen und voneinander zu lernen.
Reflexion als Motor für Qualität
Eine gelebte Fehler- und Lernkultur hat bei Sana einen zunehmend hohen Stellenwert. Als Mitglied der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) engagiert sich der Konzern aktiv für eine transparente Darstellung und kontinuierliche Verbesserung der medizinischen Behandlungsqualität, und zwar trägerübergreifend mit zahlreichen anderen Krankenhäusern in Deutschland und der Schweiz. Ziel ist es, die Versorgungsqualität für alle Patienten systematisch weiterzuentwickeln. Über die gesetzlich vorgeschriebene Qualitätssicherung hinaus werden dafür zusätzlich Routinedaten ausgewertet, um auch für Patientengruppen außerhalb der vorgegebenen Qualitätsindikatoren mögliche Optimierungspotenziale zu erhalten.
Zeigen diese Daten Hinweise auf unerwartete oder abweichende Behandlungsverläufe, erfolgt eine detaillierte Analyse: zum einen durch die verantwortlichen Mitarbeitenden der jeweiligen Klinik, zum anderen durch externe Fachkolleginnen und -kollegen aus anderen Häusern. Dieses strukturierte Verfahren, Peer Review genannt, ermöglicht durch die neutrale Außensicht eine besonders wirkungsvolle Form der Reflexion. Ziel ist insbesondere nicht, Schuldige zu suchen, sondern gemeinsam Verbesserungsmaßnahmen zu erarbeiten, voneinander zu lernen und die Versorgung nachhaltig weiterzuentwickeln.
Ein weiterer Bestandteil dieser offenen Fehler- und Lernkultur sind in vielen Einrichtungen die regelmäßig stattfindenden Konferenzenzu besonderen Krankheitsverläufen – die sogenannten M&M-Konferenzen (Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen). Hier werden komplexe oder unerwartete Fälle unter ärztlichen, pflegerischen und weiteren fachlichen Perspektiven aufgearbeitet. Die gemeinsame Analyse fördert ein tieferes Verständnis der Ursachen, ermöglicht eine kritische Reflexion bestehender Strukturen und unterstützt die Entwicklung neuer Ansätze für den künftigen Umgang mit vergleichbaren Situationen.
Digitale und persönliche Lernwelten
Wesentliche Grundlage für die interne Wissensorganisation ist das konzernweit gültige Sana-Managementhandbuch, in dem sämtliche Vorgaben, Standards und Verfahren hinterlegt sind. Es dient der Orientierung, unterstützt die Dokumentenlenkung und stellt sicher, dass Wissen systematisch verfügbar bleibt – unabhängig von Ort oder Funktion. Diese klare Struktur wird ergänzt durch eine moderne interne Kommunikation: Die Sana Daily ist heute der zentrale Intranet-Kanal und bietet täglich aktuelle Informationen, Porträts, Erfolgsgeschichten und fachliche Inhalte in unterschiedlichen Formaten wie Artikel, Interviews, Podcasts, Videos oder als Webinare. Vorausgegangen war ihr das Intranet Commit, das wiederum auf die frühere Mitarbeiterzeitung 360° folgte. Über alle Generationen hinweg blieb das Ziel konstant, Mitarbeitende zu informieren, zu vernetzen und aktiv einzubinden.
Zur Verwaltung, Vermittlung und Bereitstellung von Wissen setzt Sana auf verschiedene Lernumgebungen, die eng miteinander verzahnt sind. Learning ist seit Anfang 2025 das neue Zuhause für eine Vielzahl von Schulungsangeboten, unabhängig davon, ob diese als Online-Format (z.B. E-Learning, Webinare) oder in Präsenz (z.B. Seminare,Übungen vor Ort) durchgeführt werden. Dank des digitalen, modularen Lernkatalogs können Mitarbeitende aller Berufsgruppen ihr Fachwissen, ihre methodischen oder auch persönlichen Kompetenzen jederzeit und von überall weiterentwickeln. Das Angebot wird gemeinschaftlich von zentralen und lokalen Lernspezialisten in Zusammenarbeit mit Fachexperten stetig geprüft, weiterentwickelt und ausgebaut. Darüber hinaus stehen allen Mitarbeitenden Angebote umfangreicher Wissensplattformen zur Verfügung, wie beispielsweise die Sana-Online-Bibliothek. Diese bietet Zugang zu über 4.500 nationalen und internationalen Fachzeitschriften sowie E-Books aus verschiedensten Disziplinen. Zudem stehen insbesondere unseren ärztlichen Kollegen, der Pflege und weiteren an der Versorgung beteiligten Mitarbeitenden SpringerMedizin.de und UpToDatezur Verfügung. Letzteres ist ein weltweit anerkanntes klinisches Entscheidungsunterstützungssystem, das auf evidenzbasierten Informationen beruht und tagesaktuell gepflegt wird. Für unsere Pflegekräfte steht mit Thieme CNE eine Plattform zur Verfügung, die kontinuierliche Fortbildung ermöglicht und speziell auf die Anforderungen des Berufsbilds zugeschnitten ist. Alle Angebote sind einfach zugänglich und leisten einen Beitrag zur individuellen Fortbildung und Qualitätssicherung im Arbeitsalltag.
Führen, forschen und studieren
Wissensmanagement bei Sana bedeutet dabei nicht nur Lernen von bereitgestellten Inhalten, sondern auch Lernen voneinander im Team. Dies zeigt sich besonders deutlich in den Leadership Labs, einem innovativen Format zur Führungskräfteentwicklung. Hier werden Führungsthemen praxisnah, rollenbezogen und anforderungsgerecht vermittelt. Die Teilnehmenden reflektieren nicht nur ihr Handeln, sondern entwickeln gemeinsam neue Perspektiven. Parallel dazu bietet die Sana-Ideenwerkstatt Mitarbeitenden aufallen Ebenen die Möglichkeit, eigene Vorschläge einzubringen – unabhängig von Funktion oder Standort. Die Plattform basiert auf dem Prinzip der Schwarmintelligenz: Ideen werden aufgenommen, weitergedacht und im besten Fall zur Umsetzung gebracht. Damit wird sichtbar, wie eng Wissensmanagement mit Beteiligung und Gestaltungsfreiheit verknüpft ist.
Ein besonderes Element in der Wissenslandschaft ist die gezielte Förderung wissenschaftlicher Tätigkeit. Bereits seit mehr als 15 Jahren unterstützt Sana forschende Mitarbeitende aller Berufsgruppen, von der Pflege über die Therapie bis zur ärztlichen Versorgung. Mehr als 3.200 Projektekonnten bereits auf diesem Weg gefördert werden. Unterstützt werden dabei unteranderem wissenschaftliche Posterpräsentationen, Kongressbeiträge,Publikationen, Promotions- und Habilitationsvorhaben. Regelmäßig wird darüberhinaus der Sana-Wissenschaftspreis verliehen, dotiert im fünfstelligen Bereich. Die Auswahl trifft ein unabhängiges Gremium aus Wissenschaftlern, das insbesondere den Nutzen für Patienten, die Innovationskraft, die wissenschaftlicheQualität sowie den Fortschritt in der Versorgung bewertet. Auf diese Weise entsteht ein dynamisches Umfeld, in dem wissenschaftliches Arbeiten fester Bestandteil der Unternehmenskultur ist und konkrete Impulse für die tägliche Versorgung liefert.
Mit der Sana Medical School hat der Konzern ein starkes Zeichenfür zukunftsorientierte Nachwuchsförderung gesetzt. In Kooperation mit der University of Split – School of Medicine ermöglicht sieein praxisnahes, englischsprachiges Medizinstudium ohne Numerus clausus. Die vorklinische Ausbildung findet in Kroatien statt, die klinischen Studienjahre werden anschließend in Sana-Kliniken absolviert. Das Curriculum ist stark praxisorientiert, mit Skills Labs, Fallseminarenund engmaschigem Mentoring. Eine optionale Promotionsmöglichkeit (PhD) fördertwissenschaftliche Exzellenz und eröffnet Perspektiven für eine akademische Laufbahn. Damit schafft Sana ein nachhaltiges Modell zur Fachkräftesicherungund zur Sicherstellung einer hohen Ausbildungsqualität.
Vom Wissen zum gemeinsamen Handeln
Wissensmanagement bei Sana ist kein Selbstzweck, sondern eine gelebte Haltung. Es entsteht im Alltag, wird getragen von Menschen, gefördert durch Strukturen und wird in allen Ebenen des Konzerns gelebt. Von der klinischen Weiterbildung über digitale Plattformen bis hin zur wissenschaftlichen Förderung zeigt sich, wie breit das Spektrum ist. Entscheidend bleibt dabei eines: Wissen muss geteilt werden, damit alle davon profitieren. Und genau hier zeigt sich die Stärke der Wissenswelt bei Sana: Sie ist offen, verlässlich, gemeinschaftlich und menschlich. Neben den konzernweiten Angeboten wird diese Kultur auch lokal gelebt: Viele Einrichtungen bieten gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden eigene Fortbildungsformate, Workshops oder Symposien an. Diese dezentralen Initiativen sind weit mehr als nur eine Ergänzung. Sie tragen dazu bei, dass Wissenpraxisnah weitergegeben, an den jeweiligen Bedarf angepasst und direkt in den Versorgungsalltag übersetzt wird. So entsteht eine lernende Organisation, inder zentrale Impulse und lokale Expertise Hand in Hand wirken.
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus "Innovation für die Gesundheit", herausgegeben von Thomas Lemke, Jens Schick, Irmgard Wübbeling, Stephanie Kemp und Ralph Wiechers. Alle Informationen zum Titel erhalten Sie hier.