Hoppegartener Gesundheitspanel

Rettet die Medizin!

Diese provokante Forderung haben am 2. April 2017 namhafte Experten auf dem Hoppegartener Gesundheitspanel kontrovers diskutiert.

So ist völlig klar geworden: Die medizinische Versorgung in Deutschland ist gut, gehört aber nicht mehr in jedem Bereich zu den besten. Rückstände bei Digitalisierung, Hindernisse aufgrund von Sektorengrenzen und falsche Anreize in den Vergütungssystemen führen nicht immer zu „guter Medizin“.

Das Podium aus Prof. P. Pramstaller, Dr. S. von Bismarck, Prof. A. Ekkernkamp, Prof. E. Böttinger und Prof. R. Busse war sich darin einig: die aktuellen Anpassungs- und Veränderungsprozesse im Gesundheitssystem führen zu großen Belastungen der Mitarbeiter im Krankenhaus. Ärzte können sich aber nicht auf ihr ärztliches Ethos zurückziehen und die Gestaltung ihrer Arbeitsumgebung Ökonomen und Politikern überlassen.

Im Gegenteil: Ärzte sollen wieder eine aktivere Rolle als Entscheider und Gestalter, auch im Unternehmen Krankenhaus wie auch im Gesundheitssystem übernehmen. Die Medizin soll „auf der Agenda wieder nach oben“ kommen. Klar ist auch, dass das Gesundheitssystem mit der digitalen Transformation wie auch in der Forschungsinfrastruktur mehr Gas geben muss. Zwar steht in Deutschland jedem nahezu jede Behandlung offen, aber es wird auch zu viel und zu lange behandelt. Zwar sinkt die Zahl der Krankenhäuser nicht, aber die der Krankenhausbetten und schon gar nicht die der Fallzahlen. Außermedizinische Faktoren spielen in fachliche Entscheidungen hinein. Und längst gibt es Indikationsbereiche, in denenDeutschland nicht mehr in der Spitzengruppe mitspielt. Das hat viel mit den politischen Fehlanreizen, den Problemen in der Krankenhausplanung und dem Egoismus von Interessensgruppen zu tun.

Zweifellos ist das deutsche Gesundheitssystem dennoch eines der besten der Welt. Es gibt aber einige Baustellen im System, auf denen insbesondere die Politik konsequenter arbeiten muss, so lautet das zusammengefasste Fazit der Diskussion.


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